Bildungsanspruch
Pädagogik als Kunst, Spiel und Arbeit
Durch die Bolognaerklärung der europäischen Minister und durch die Resultate der PISA-Studie ist in der deutschen Bildungsdiskussion länderübergreifend der Gedanke einer Akademisierung der ErzieherInnenausbildung entstanden. Ziel ist die europaweite Standardisierung der Ausbildungen und Studiengänge.
Im Rudolf Steiner Institut Kassel wird an der Frage gearbeitet, wie einer sinnvollen Akademisierung der Ausbildungsinhalte für Erzieherinnen und Erzieher Rechnung getragen werden und die Idee des lebenslangen Lernens auch in der Sozialpädagogik Einzug halten kann, ohne dadurch das praktische Wissen und die Paxiserfahrung der SeminaristInnen zugunsten einer einseitigen universitären Anbindung aufzugeben. Als interdiziplinär und praxisorientierte Fachschule für Sozialpädagogik verlören wir das Herz unserer Ausbildung und unsere SeminaristInnen die Möglichkeit, sich zu WaldorfpädagogInnen und ErziehungskünstlerInnen auszubilden, wenn wir dieser einseitigen Akademisierung keine Alternativen entgegen stellten.
Wir versuchen einen anderen Weg: Pädagogik als Kunst, Spiel und Arbeit. Kunst als Brot nicht nur als Dessert, als das elementarste Werkzeug von Pädagogik und folgerichtig der Ausbildungsformen und -inhalte von PädagogInnen.
Das freie kindliche Spiel als "die" prägende Entwicklungsquelle der Kindheit. Welche Aufgaben erwachsen heute daraus für eine Pädagogik, die Kindern die Kindheit nicht rauben will, die Kindheit nicht nutzen will, die das Kind als Subjekt seiner Selbsterziehung anerkennt und nicht als Objekt seiner Sozialisierung betrachtet?
Die Arbeit mit Boden, Pflanze und Tier. Der in dieser "vollständigen Umgebung" sinnvoll tätige erwachsene Mensch und das darin spielende Kind. Novalis nennt das: "Paedagogik". Und weiter rät er uns in "Das Allgemeine Brouillon": "Erziehung von Kindern, wie Bildung eines Lehrlings - nicht durch directe Erziehung - sondern durch allmäliches Theilnehmen lassen an Beschäftigung ect. der Erwachsenen."
Mit dem Waldhof, unserem Demeter-Saatgutbetrieb, steht uns ein natürlich gewachsener und von Menschen gestalteter Naturraum in Form eines großen Landbaugartens zur Verfügung, der uns für die Entwicklung neuer, naturnaher Ausbildungsformen und -inhalten vielfältige Perspektiven eröffnet. Erste praktische Entwicklungsschritte bei der SozialassitentInnen- und ErzieherInnenausbildung sind wir schon gegangen. Die Erfahrungen bestätigen unseren Weg und geben uns Zuversicht mutig, nächste, weitergehende Schritte zu gehen.

